Neuigkeiten

14. Oktober 2005

An der Schwelle zum Abstrakten

Ulrike Riemer liebt intensive Farben und südliche Landschaften. Seit mehr als 30 Jahren arbeitet die Schülerin von Rudolf Schoofs als freie Künstlerin.

Foto, Westdeutsche Zeitung […] Riemer selbst sucht die Verbindung beider Qualitäten. 1946 in Wuppertal geboren, studierte sie zunächst Textildesign, dann Malerei bei Rudolf Schoofs an der Wuppertaler Werkkunstschule. "Naturstudien bis zum Erbrechen" habe sie beim berühmten Professor betreiben müssen, zudem alle erdenklichen Techniken durchexerziert, um sich ein solides Rüstzeug anzueignen. Von 1968 bis 1974 setzte sie ihr Können als Designerin und Atelierleiterin in einer Wermelskirchener Teppichfabrik ein, danach begann die Tätigkeit als freie Künstlerin.

Aquarell und Acryl sind Ihre bevorzugten Medien, sie liebt intensive Farben und schöpft Ihre Sujet aus der - oft südlichen - Landschaften. Aus Skizzen, die Riemer in der Ferne anlegt, entstehen im heimischen Atelier Bilder an der Schwelle zum Abstrakten. Erlebnisse finden darin eher Niederschlag als konkrete Gegenden, die Landschaft wird zum Blick in die Seele. Transparenz der Farben, beim Aquarell unabdingbar, ist Riemers hoch gestecktes Ziel auch für die Acrylmalerei, in der sie oft den Kontrast zwischen kraftvoll und fließend auslotet. "Transparentes Acrylmalen beherrscht noch lange nicht jeder", betont sie mit unabweisbarer Berechtigung.

All das preiszugeben, was sie sich mühselig erarbeitet hat, geht ihr nicht immer leicht von der Hand. "Man muss auch Geheimnisse teilen können", sinniert Riemer mit einem Anflug von Zerrissenheit, aber letztlich doch mit einer klaren Richtung. 1996 hat sie den "Ronsdorfer Malkreis" gegründet, um Schülern ihr Wissen zu vermitteln. Die Gruppe traf sich in einer alten Bandfabrik an der Erbschloer Strasse, bis das Gebäude verkauft wurde. Seit 2003 erteilt Riemer ihren Unterricht in Wichlinghausen.

Struktur erhalten die Kurse durch das Credo der Künstlerin: Technik von der Pike auf. Darum auch sind Ihr Anfänger am liebsten, denn wer sich selbst schon vieles beigebracht hat, der hat das womöglich falsch getan und ist nur mit Mühe von seinen Fehlern abzubringen. Zu den Kursen gesellen sich zwei- bis viermal Workshops, in denen sich fortgeschrittene Schüler für längere Zeit einem Bild widmen. Der Erfolg kann sich sehen lassen: Manche Kursteilnehmer sind so weit vorangeschritten, dass sie schon eigene Ausstellungen bestritten haben.


Westdeutsche Zeitung, 14.10.2005